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 Peter Breidenbach – baut mit Lehm und betreibt eine Kneipe Foto: Frank Schliffke
 Fachwerkbau mit Lehm Foto: Frank Schliffke
 Vor dem Ringofen zwischen Viersen und Süchteln
Foto: Frank Schliffke
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Leben mit Lehm
Vor zwanzig Jahren pilgerten Musikfans aus nah und fern nach Boisheim zu Conny, um die angesagtesten Bands zu hören. Dann wurde es sehr still um Conny's Come In – bis Peter Breidenbach diesen Kulturort wiederbelebt hat.
Boisheim. Kultur braucht einen Ort. Ein Haus, eine Wiese, eine Scheune, eine Kneipe, ein Daheim. Sonst gehen die Lichter aus. So wie es vor zwei Jahren in Boisheim beinahe passiert wäre. »Es bestand die Gefahr, dass fast alle Gaststätten hier zumachen«, erinnert sich Peter Breidenbach. Kultur braucht Menschen, Menschen, die dafür sorgen, dass es Orte für Kultur gibt. Orte zum Tanzen, Reden, Filme schauen, Vereinsmitglieder treffen, Geburtstag feiern, Beerdigungen abhalten, Konzerte besuchen. Und Conny's Come In ist nicht der einzige Ort, den Peter Breidenbach vor dem Verfall bewahrt hat. Wobei, ein bisschen Verfall, ein bisschen Alter sind für seine Arbeit nicht unwichtig.
Peter Breidenbach macht keine halben Sachen. An der Decke baumelt eine preiswerte Reislampe, ebenso gut könnte die Glühbirne auch nackt hängen, hier in einem Raum seiner Firma Claytec. »Bis ich das Richtige gefunden habe, bleibt es so.« Keine Zwischenschritte. Sein Elternhaus prägt: Qualität in Material und Gestaltung. Vater Hermann und Mutter Inge sind Architekten, die sich alter Häuser und Höfe annehmen. Die beiden Kinder, Peter und sein zwei Jahre älterer Bruder Martin, sind immer dabei. Machen mit, fragen und erhalten Antworten, werden einbezogen in die Arbeit der Eltern. »Seit ich denken kann, wird bei uns gebaut.« Erst das Elternhaus in Süchteln, später, 1975, kaufen Hermann und Inge Breidenbach den Tho-Rieth-Hof in Viersen. Hier arbeitet Peter Breidenbach erstmals mit dem Werkstoff, der ihn zum Pionier in Deutschland und in Europa macht: Lehm. Und er verbringt hier mehr Zeit als in der Schule. Deswegen klappt das Abitur auch erst im zweiten Anlauf. »,In Arbeitsklamotten habe ich mein Zeugnis abgeholt.« Das war 1983, Peter Breidenbach ist zwanzig Jahre alt.
Ein Jahr später gründet er seine erste eigene Firma, Lehmbau Peter Breidenbach. Mit dabei Ulrich Röhlen. Es ist der Beginn einer beispiellosen Karriere für Peter Breidenbach und den Werkstoff Lehm. Als »Arme-Leute-Baustoff« verschrieen, erlebt er eine ungeahnte Renaissance. Peter Breidenbach und der Architekt Ulrich Röhlen, die später gemeinsam die Firma Claytec gründen, hauchen diesem totgesagten Naturprodukt neues Leben sein: Sie experimentieren mit ihm, analysieren ihn und machen ihn zu einem modernen, salonfähigen Baustoff. Sie restaurieren behutsam Fachwerkhaus um Fachwerkhaus, unter anderem das älteste Haus Deutschlands in Limburg. Sie halten Vorträge, schulen Architekten und Handwerker, geben das Wissen weiter. Verdienste, die gewürdigt werden. 1997 erhalten Peter Breidenbach und Ulrich Röhlen den deutschen Preis für Denkmalsschutz, vor vier Jahren bekam Peter Breidenbach den Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege.
Inge Breidenbach, der es die Stadt Viersen unter anderem zu verdanken hat, dass es die Generatorenhalle und das Jugendstilbad noch gibt, ist eine weit über die Grenzen hinaus erfolgreiche Architektin im Bereich Denkmalschutz. Und ein unabhängiger Kopf. Diese Unabhängigkeit im Denken hat sie auch ihren Söhnen weitergegeben. Martin Breidenbach plant derzeit die Gartensiedlung Viersen, und Peter mietet eine heruntergekommene Kneipe. Das Conny's Come In. Warum? »Sobald ich motorisiert war, fuhr ich dahin, um mir Konzerte anzuhören.« Reichen romantische Jugenderinnerungen aus, um »Unmengen Geld, dicke sechsstellig« zu investieren?
Mutter Breidenbach: »Das Soziale hat er von seinem 1977 gestorbenen Vater. Er war auch so.« »Ein Dorf braucht eine Kneipe«, sagt Peter Breidenbach. Seit 1988 wohnt er mit seiner Frau Gabi und seinen drei Kindern in einem alten, selbst restaurierten Haus in Boisheim, wenige Meter vom Sitz seiner Firma Claytec entfernt. Das Conny's Come In, lange Zeit der angesagteste Ort für gute Musik am Niederrhein, schließt 2002. Peter Breidenbach, 1. Vorsitzender des Boisheimer Bürgervereins, will sich damit nicht abfinden. Er denkt, plant und handelt. Im Februar 2003 mietet er das Conny's, renoviert es so, wie er es immer macht, sorgfältig und innovativ, und feiert mit rund 800 Gästen am 9. Mai 2003 eine rauschende Eröffnung. Konrad Klötzing, der der Kneipe ihren Namen gab, steht selbstverständlich wieder hinter der Theke.
Mittlerweile hat sich Conny's Come In als vielfältiger Kulturort etabliert: Jazz- und Rockbands spielen, Schriftsteller lesen aus ihren Büchern, Kinofreunde freuen sich über anspruchsvolle Filme, Tanzwillige lernen Tango, Fußballfans jubeln auf Großbildschirmen ihren Clubs zu, die katholischen Frauen halten ihre Karnevalssitzung ab, die Grünen laden zu ihrem Salon, der Bürgerverein begrüßt seine Mitglieder und wer einfach nur Lust auf eine Apfelschorle oder ein Bier inklusive Gespräch hat, kommt. Ein Treffpunkt für Einheimische und Auswärtige. »Berührungsängste gibt es kaum«, sagt Peter Breidenbach, der kulturpolitischer Sprecher der Viersener Grünen ist. Er denkt über weitere Kulturorte nach. Der Ringofen in Viersen, den er gekauft und vor dem Verfall gerettet hat. Der Heimatverein ist schon da. »Hier könnte auch ein Open Air stattfinden«, sagt Peter Breidenbach. Die Wiese davor ist jedenfalls groß genug.
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Weitere Informationen finden Sie auf den Internetseiten von
Conny's Come In
Claytec
Gartensiedlung Viersen
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