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 Chorleiter Heinz Klaus Foto: Frank Schliffke
 Einstimmen in Lobberich Foto: Frank Schliffke
 Die Probe kann beginnen Foto: Frank Schliffke
 Der Proberaum Foto: Frank Schliffke
 Eine ruhige Passage Foto: Frank Schliffke
 Konzentration Foto: Frank Schliffke
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Ein Genießer der Töne
Heute gibt es in der Werner-Jaeger-Halle in Lobberich eine denkwürdige Premiere: Der Niederrheinchor Frohsinn-Chor Lobberich lädt zu einem Konzert – mit neuem Namen, neuem Gewand, neuem Repertoire und mit einem neuen Chorleiter: Heinz Klaus.
Krefeld/Lobberich. Die Luft riecht nach Arbeit, ein wenig abgestanden. Ein schmuckloser Raum im Keller des Krefelder Theaters. Der Mann am Klavier schlägt ein paar Töne aus der Partitur an, Tschaikowskys »Neun liturgische Chöre«, und sagt: »Solche Sachen müssen Sie genießen.«
Es ist Freitag Vormittag, und Heinz Klaus übt mit seinem Chor, dem Chor der städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach. Ein ehrgeiziges und völlig neues Projekt, das sich Chordirektor und Chor vorgenommen haben. »Das Stundenbuch« – mit Gedichten von Rainer Maria Rilke und Musik von Arvo Pärt, Peter I. Tschaikowsky, Francis Poulenc und Peter Cornelius. »Wir haben in dieser Spielzeit ein bisschen mehr Freiraum und Zeit, deswegen haben wir uns ein ganz eigenes Projekt gesucht. Gesprochener Text, religiöse Gesänge, alles inszeniert«, sagt Heinz Klaus, der Mann hinter dem Klavier.
»Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, / die sich über die Dinge ziehn. / Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, / aber versuchen will ich ihn. / Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, / und ich kreise jahrtausendelang; / und ich weiß noch nicht: bin ich ein Falke, / ein Sturm oder ein großer Gesang.« – Heinz Klaus kennt die Verse aus Rilkes Stundenbuch, hat er doch Germanistik studiert. Musik als Broterwerb stand nicht auf dem Lebensplan. Geboren 1944 in Zofingen, einem idyllischen Ort in der Schweiz, studiert er nach dem Abitur Germanistik und Geschichte an der Universität Basel. Er hat ein Klavier zu Hause, das gehörte schon zum bürgerlichen Ton, doch mehr als gut spielen soll der Junge nicht. Zwar haben sich die Eltern im Mandolinenorchester kennengelernt, der Vater hat sogar das absolute Gehör, aber Musik als Beruf – undenkbar.
Bereits während des Studiums arbeitet Heinz Klaus als Lehrer, doch die Musik lässt ihn nicht los. Er nimmt Privatunterricht im Sologesang, studiert Klavier und Oboe, absolviert eine Dirigierausbildung und leitet vier Jahre die »Camerata Intrada Luzern«, ein Kammerorchester aus Studenten und jungen Berufsmusikern. 1978 die erste Stelle als Musikschaffender: am Musiktheater der Orchestergesellschaft in Biel. »Mit 34 Jahren war das fast schon zu spät, ich bin in eine Zeit hineingewachsen, die jugendsüchtig geworden ist«, sagt Heinz Klaus im Rückblick. Die weiteren Stationen als Chordirektor und Kapellmeister: Regensburg, Lüneburg, Detmold, Osnabrück und schließlich seit sieben Jahren Krefeld. Gemeinsam mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern wohnt er jetzt in St. Tönis.
Das Wanderleben mag zu Ende sein, nicht die Zeit der Herausforderungen. Seit Anfang des Jahres hat er einen weiteren Chor übernommen – den Frohsinn-Chor Lobberich 1885. Nachdem Johannes Menskes den Dirigentenstab aus der Hand gegeben hat, musste ein Nachfolger gesucht werden. Drei Bewerber stellten sich dem Chor vor. Mit 74 Prozent der geheim abgegebenen Stimmen wurde Heinz Klaus zum neuen Chorleiter berufen. Der Chor nennt sich jetzt Niederrheinchor e.V. Frohsinn-Chor Lobberich 1885, es gibt eine andere Kleidung beim Konzert, der Chor ist aus dem Sängerbund ausgetreten, es gibt keine CDs und Fernsehauftritte mehr und das Repertoire ändert sich. »Der Hafen werden Oper und Operette sein, wo die Fahrt dann hingeht, das werden wir sehen«, sagt der begeisterte Segler Klaus.
Von Zofingen in der Schweiz nach Lobberich an den Niederrhein, sechs Jahrzehnte Leben: »Ich bin schon gelassener geworden in dieser Zeit.« Wer ihn beim Proben erlebt, wie er seine Männer und Frauen motiviert, wie er sie am Text und am Ton arbeiten und genießen lässt, kann sich schwer vorstellen, dass er einst »einen Stuhl während der Probe zertrümmert hat«. Er habe gelernt, nicht mehr alles in sich hineinzufressen, sondern direkter zu werden. Mit Erfolg. Einer Dame im Frohsinn-Chor, die befürchtete, zu alt für den fremdsprachigen Text zu sein, prophezeite er: »Wenn ich mit fast sechzig noch Kinder machen kann, dann können Sie auch noch Italienisch lernen.«
Gespannt warten nicht nur die Lobbericher auf den ersten öffentlichen Auftritt des Niederrheinchors. Viele Kollegen werden sich seine Arbeit sehr genau ansehen, weiß Heinz Klaus. Das Konzert beginnt mit Mozarts Zauberflöte. Ein Vers daraus ist zugleich sein Motto für die Chorarbeit: »Die Strahlen der Sonne vertreiben die Nacht.« •
Der Chor sucht Nachwuchs. Wer Lust und Stimme hat, kann sich bei der Geschäftsstelle des Chores, Harald Post, melden. Telefon 02153 60400, Fax 02153 60500, Mail: niederrheinchor@web.de, Internet: www.niederrheinchor.de
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