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 Markus Orths, in Karlsruhe lebender Schriftsteller aus Viersen
 Lesung in der Viersener Stadtbibliothek aus »Lehrerzimmer«
 Bei einer Lesung in Viersen-Boisheim: Markus Orths, Buchhändler Günter Doetsch und Schriftsteller Paul Eßer Foto: Frank Schliffke
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Der Schriftsteller
Der Niederrhein ist ein Land der Weggeher, so eine These. Er kommt am Donnerstag, 7. April, zurück. Als Gast. Markus Orths liest um 20 Uhr im Conny's Come In in Boisheim aus seinem neuem Roman »Catalina«.
Viersen/Karlsruhe/Paris/Welt. Das ist die Geschichte von einem der auszog, um Schriftsteller zu werden. Er hat es geschafft und dabei sein Glück gefunden. Und manchmal fühlt er sich ein bisschen wie Heinz Schmitz. Sein Onkel. Der Bruder der Mutter. Willkommen am Niederrhein.
Markus Orths, geboren 1969, wächst in Viersen auf: Krefelder Straße/Ecke Kanalstraße. Im Elternhaus wird viel geschrieben, Erbauliches. Vom Vater Hans Orths. Religiöse Kurzgeschichten. »Er war mein erstes großes Vorbild.« Eine Kindheit und Jugend zwischen belebender Weite und einschnürender Enge. Regelmäßige Urlaube der Eltern trotz dreier Kinder und knapper Kasse am Genfer See, Ferienlager mit den Messdienern. »Ich hatte wirklich Glück, viel zu erleben.«
Gleichzeitig eine sehr katholische Erziehung, die fast die ganze Palette abdeckte: Messdiener, Organist und der Wunsch, Priester zu werden. Fehlende Aufklärung, viele Tabus. »Da musste ich mich freischwimmen und rauskommen.« Spätestens mit seiner Beschreibung des Liebestuns von María und Miguel im Anfangskapitel von »Catalina« zeigt Markus Orths, dass er sogar vielen seiner Schriftstellerkollegen entschwommen ist. Kraftvoll, erotisch, lebendig ist seine Sprache, voller Vitalität sind seine Bilder.
Und da gab es im Leben des jungen Markus noch Heinz Schmitz. Der Onkel, der im Zivilorden der »kleinen Brüder Jesu« lebte. Überall auf der Welt zu Hause, unter den Ärmsten der Armen, mal in Caracas, mal in Paris. Ein kettenrauchender Philosoph, der auf Französisch kluge Bücher veröffentlicht. Einmal im Jahr besucht Heinz Schmitz seine Familie in Viersen. Er bleibt drei Tage. »Das war immer etwas Unheimliches, aber auch etwas Faszinierendes«, erinnert sich der jetzt 36-jährige Markus Orths. Gespenster hat der Onkel mit den Kindern gespielt. Abends sich ein Betttuch über den Kopf geworden. Ein Zeichen: »Einerseits kennen wir ihn, er gehört dazu, andererseits ist er ein Fremder geblieben, dadurch dass wir ihn nie sehen.« Mit Mitte Vierzig stirbt Heinz Schmitz. Bei seinem Neffen, der da gerade mal 15 ist, wird die Saat aufgehen, die er gesät hat: die Liebe zur Philosophie und zur französischen Sprache.
Nach Abitur und Bundeswehr zieht Markus Orths nach Freiburg, er studiert Theologie, Philosophie, Anglistik und Französisch und sich selbst. »Ich war völlig auf mich geworfen, allein.« Er versucht die »Zwangsjacke des katholischen Glaubens« abzustreifen, versucht, ohne Abendgebet einzuschlafen, versucht, die Strukturen zu verstehen. Er lernt, seine Bedürfnisse zu äußern und mal nein zu sagen, bricht mit Erwartungen – ein Thema seiner Bücher. »Man muss nicht immer der nette, freundliche, brave Markus sein.«
An Veröffentlichungen traut er sich noch nicht. Er schreibt, hat Ideen, findet seinen eigenen Ton. Ermutigt durch seine Mitbewohnerin Hilke wird er offensiver. Er schreibt Literaturzeitschriften an. Die Social-Beat-Zeitung »Der Störer« druckt 1998 zwei Seiten aus seinem Dijon-Roman, der Kölner Verlag Sisyphos den Roman »Schreibsand«, im »Muschelhaufen« erscheint die Geschichte »Vom Reisen«. Erik Martin, dem Dülkener Herausgeber des Muschelhaufens, ist Markus Orths sehr dankbar: »Er war einer der ersten, der meine Geschichten gelesen hat, und er hat mich immer ermutigt, weiterzumachen.« Der junge Autor gewinnt Preise und einen wunderbaren Verlag: Klaus Schöffling liest einige Texte von Markus Orths und schreibt ihm einen Brief: »Ich lege Ihnen den Verlag zu Füßen.« Das war im Sommer 2000. Vier Bücher sind danach in kurzen Abständen beim Frankfurter Verlag erschienen: der Erzählband »Wer geht wo hinterm Sarg?« (2001), die Romane »Corpus« (2002), »Lehrerzimmer« (2003) und jetzt »Catalina« (2005).
Wenn Markus Orths heute nach Viersen fährt, ist er zu Gast bei seiner Familie, sie reden und haben viel Spaß miteinander. Nach zwei Tagen fährt er wieder weg, nach Hause, nach Karlsruhe. »Ein bisschen wie Heinz Schmitz.« •
Weitere Informationen finden Sie auf der Internetseite des Schöffling-Verlages.
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